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Virginia Satir
Das, was jetzt ist


Zu sehen und zu hören was in mir ist
und nicht, was dort sein sollte, dort war
oder vielleicht sein könnte!

Zu sagen, was ich fühle und denke
und nicht, was ich sagen sollte!

Zu fühlen, was ich fühle
und nicht was ich fühlen sollte!

Zu fragen was ich möchte
und nicht warten, warten, warten auf Erlaubnis!

Zu wagen was mich reizt,
statt immer nur die Sicherheit zu wählen!

Virginia Satir


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Text

Interview mit dem Obertonsänger Wolfgang Saus
Thomas Kratz
Das Hören von Oberton-Gesang übt auf den Zuhörer eine faszinierende Wirkung aus. Und es ist erstaunlich zu erfahren, welche Vielfalt an Klängen die menschliche Stimme zu produzieren in der Lage ist. Wir freuen uns, mit dem Obertonsänger Wolfgang Saus einen Experten auf diesem Gebiet über Herkunft, Geschichte und Wirkung des Obertongesangs befragen zu können.
                  
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tpk: Hallo Wolfgang. Ich bin vor ein paar Wochen 'aus Versehen' in einem Obertonchor bei Detlef Sellenriek, der das jährlich im Juni stattfindende Obertonfestival in Bad Essen (Nähe Osnabrück)organisiert, gelandet. Gerade beim letzten Treffen haben wir uns in der Gruppe darüber unterhalten, dass das Singen einen sehr angenehmen, entspannenden Effekt hat, durchaus vergleichbar mit Meditation oder anderen spirituellen Übungen - obwohl wir es in der Gruppe gar nicht darauf anlegen.

Aber bevor wir auf die Wirkungsweise von Obertongesang kommen, erst einmal einige Fragen zu dessen Geschichte. Wenn ich Detlef richtig verstanden habe, scheint Obertongesang in Europa erst durch den Komponisten Stockhausen bekannt geworden zu sein, also vor etwa 40 Jahren. In welchen Kulturen wurde und wird Obertongesang denn gepflegt und welche Traditionen gibt es?

Wolfgang Saus: Karlheinz Stockhausen schrieb 1968 das Werk "Stimmung", das erstmals die Stimm-Obertöne als musikalisch eigenständiges Element nutzte. Der griechisch-italienische Sänger Demitrio Stratos verwendete auch schon sehr früh Obertongesang in seinen erweiterten Stimmtechniken. Wer nun zuerst war, weiß ich nicht. Das finde ich auch nicht so wichtig.

Wesentlicher sind die Einflüsse auf die Musikentwicklung. Stockhausen hatte Michael Vetter inspiriert, der über Jahre seinen eigenen ausgefeilten Stil entwickelte und damit bei seinen Schülern die westliche Obertonszene ins Rollen brachte.

Ein weiterer Pionier ist der italienische Saxophonist Roberto Laneri, dessen Obertonquellen ich nicht kenne. Laneri hatte mich Anfang 1980 zum Obertongesang inspiriert, als wir bei einem Projekt gemeinsam auf der Bühne standen.

In den USA war es David Hykes, der in den 1970ern den Obertongesang zu völlig neuen Klangformen entwickelte, vor allem durch sein Ensemble Harmonic Choir. Laut seiner Aussage wurde er inspiriert durch mongolischen Xhöömi und die Gesänge tibetanischer Mönche.

Letztlich denke ich, war die Entwicklung eine Folge der Suche der Komponisten in den 1950er-1960er Jahren nach musikalischen Wirkungen einzelner Töne, nicht zuletzt beeinflusst durch das aufkommende Interesse an Weltmusik, vor allem indischer Musik.

Außerhalb der okzidentalen Musikwelt findet man die bekannteste und ausgeprägteste Form des Obertongesangs in Zentral-Asien rund um das Altai-Gebirge. Dort werden verschiedene Stile des Kehlgesangs in der Volks- und Hirtenmusik gepflegt. Genaue Altersangaben gibt es nicht. Einige Quelle datieren die Ursprünge auf mindestens 700 Jahre zurück.

Bekannt sind hierzulande die Sänger aus Tuva und der Mongolei. Zahlenmäßig sind in Tuva mehr Obertonsänger anzutreffen als in der Mongolei. Bekannte Gruppen sind Huun Huur Tu und Yat Kha aus Tuva, Hosoo & Transmongolia, Epi und Egschiglen aus der Mongolei. Weniger hört man aus der inneren Mongolei, aus der Republik Altai und den Nachbarländern, wo Obertongesang teils noch in vom Westen unberührter Form anzutreffen ist, teils in unbekannten Formen wie dem Epengesang und dem Kai. Es gibt dazu einige Fachliteratur.

Die Musik hat bisher auf den westlichen Obertongesang nur in Form der tuvinisch-mongolischen Stile Einfluss genommen.

Nur von Fachleuten beachtet, gibt es Obertongesang auch in anderen Kulturen. Sehr virtuosen Obertongesang pflegen die Frauen der Xhosa in Südafrika. Sie imitieren Musik des Mundbogens mittels einer Untertontechnik und Obertongesang. Das Resultat sind polyphone Gesänge, die sowohl Grundton als auch Oberton verändern.

Eine ebenfalls sehr virtuose Technik kennt man von den Dani aus Papua-Neuguinea. Dort entstehen Klänge, die man kaum noch einer menschlichen Stimme zutrauen würde, mit Obertönen auf mehreren Ebenen gleichzeitig.

Die Wagogo in Afrika machen eine vielschichtige instrumentale Musik, die ganz auf der Obertonskala basiert.

Dass auch im Gesang klare Obertöne gesungen werden, ist, glaube ich, lange Zeit unbemerkt geblieben. Die sardischen "cantu a tenores" sind ein mehrstimmiger a capella Gesang, in dem jede Stimme sehr obertonreich gesungen wird und über Vokale des Textes einzelne Obertöne reproduzierbar und stark hervorgehoben werden, sodass im Gesamtklang ein eigener "Chor aus Obertönen" entsteht. Diese Art des Obertongesangs erzeugt im Grundklang automatisch eine reine Intonation und die typische Harmonik dieser Kunst.

Es gibt sicher noch weitere Formen des Obertongesangs, der sich den oberton-ungeübten Ohren bisher nicht als solcher erschloss. So erfuhr ich von einer hawaiianischen Form des chorischen Singens, die Obertongesang enthält. Ich hatte aber noch keine Gelegenheit, Tonbeispiele zu hören.

Auch bei der Wagogomusik musste ich sehr genau lauschen, um den Obertongesang darin zu entdecken.

Als Fazit kann man aber sagen, dass Obertongesang kein Mainstream ist (außer in der Mongolei und in Tuva) und sich immer wieder Nischen zeigen, wo er in außereuropäischer Musik auftritt.

Geht man allerdings in der Interpretation so weit zu sagen, die Obertöne seien letztlich die Ursache für die Entwicklung der Tonsysteme, dann ist jede Art des mehrstimmigen Gesangs in gewisser Form auch Obertongesang. Denn ohne Obertöne zu singen ist praktisch kaum möglich. Und sobald die Obertöne klingen, treten sie untereinander in Wechselwirkung und erzeugen Reaktionen beim Musiker und beim Hörer.

Bisher gibt es noch keine musikwissenschaftlich schlüssige Abgrenzung des Obertongesangs von welcher Art von sonstigem Gesang auch immer.

tpk: Du erwähnst oben zwar indische Musik, aber wenn ich richtig informiert bin, gibt es in Indien keine Tradition für Obertongesang, richtig?

Wolfgang Saus: Es gibt eine Aufnahme eines Musikers aus Rajasthan, der eine Art Tablaklang mit der Stimme imitiert. Dabei verwendet er ausgeprägte Obertontechnik, die sehr an tuvinischen Khöömej erinnert. Aber offenbar scheint das ein Einzelfall zu sein. Von einer entsprechenden Tradition ist mir nie etwas zu Ohren gekommen.

tpk: Hast Du Dich mit der Frage beschäftigt, welche Wirkungen das Singen und das Hören von obertonreicher Musik auf den Menschen hat?

Wolfgang Saus: Das ist eines der zentralen Themen, mit denen ich mich befasse, eine der großen Faszinationen, die Obertongesang auf mich ausübt. Vieles ist unerforscht, zumindest mit wissenschaftlichen Mitteln.

Von Fachkollegen gibt es einige Erfahrungen, die aber unzureichend dokumentiert sind. Oft ist bei den Berichten romantischer Orientalismus kunterbunt mit tatsächlichen Erfahrungen und Wunschdenken vermischt. Eine Analyse des vorhandenen Informationsmaterials ist daher zeitaufwändig. Ich sammle gerade Material für ein neues Buch, daher ahne ich, wie viel Arbeit noch bevor steht.

Einen vielversprechenden Ansatz sehe ich in einer Arbeit von Schneider/Freiburg zur Korrelation von Hörpräferenzen von Grund- bzw. Obertönen mit der Größe des rechten bzw. linken Heschlschen Gyrus. Offenbar steht der Typus des von Schneider definierten Obertonhörers, der Klang stärker auf der rechten Gehirnseite verarbeitet, dem Grundtonhörer gegenüber, der linksseitige Verarbeitungspräferenz hat. Das wurde anhand einer Versuchsgruppe professioneller Musiker gezeigt, die analog ihrer Hörpräferenzen entsprechende Instrumente auswählten.

Meine Erfahrung ist, dass durch das Erlernen von Obertongesang eine Aufmerksamkeitsverschiebung des Hörens in Richtung der Obertöne erfolgt. Das hat, so meine These, für Oberton- und Grundtonhörer unterschiedliche Auswirkungen. Einen wissenschaftlichen Ansatz halte ich auf diesem Gebiet am ehesten für erfolgversprechend. Vermutlich werden die einen Typen schneller das Obertonsingen erlernen als die anderen.

Vor allem aber halte ich es für wahrscheinlich, dass die Klangverarbeitung sich komplett verändert. Das wäre ein spektakuläres Resultat. Das könnte bedeuten, dass das Obertonsingen sich auf die Persönlichkeitsbildung drastisch auswirkt. Aber dazu müssen zunächst Methoden und bisherige Ergebnisse auf ihre Anwendbarkeit auf die Fragestellung untersucht und dann entsprechende Versuchsprogramme entwickelt werden. Ein schwieriges Unterfangen für einen Obertonsänger, der keiner wissenschaftlichen Institution angeschlossen ist. Aber ich arbeite dran.

Viele Erfahrungsberichte liegen aus dem weiten Feld der Klang- bzw. Musiktherapie vor. Sehr wenige davon genügen auch nur annähernd wissenschaftlichen Ansprüchen oder sind auch nur phänomenologisch auswertbar. Trotzdem beobachten einige Therapeuten gute bis außerordenliche Erfolge bei der Anwendung von Obertönen, die zunächst ohne wissenschaftliche Erklärung im Raum stehen dürfen. Ich hoffe, dass die zunehmende Zahl an Erfolgsmeldungen das Interesse der Wissenschaftler wecken wird.

Ich selber bin kein Therapeut, habe aber zusammen mit Fachleuten teilweise spektakuläre therapeutische Ergebnisse mit meinen Obertönen erzielt. Von einer Darlegung sehe ich hier zunächst ab, da sie sehr umfangreich ausfiele und zuvor noch einiger Recherschen und Fachdiskussion bedarf.

tpk: Man merkt, dass Du in Deinem "Vorleben" Chemiker warst und Dir das wissenschaftliche Arbeiten und der Respekt vor voreiligen Schlussfolgerungen noch im Blut steckt ...
Wieso steht denn die Klangverarbeitung in einem so engen Zusammenhang mit der Persönlichkeitsbildung?

[Oben schreibst Du: "...dass die Klangverarbeitung sich komplett verändert. Das wäre ein spektakuläres Resultat. Dann könnte bedeuten, dass das Obertonsingen sich auf die Persönlichkeitsbildung drastisch auswirkt." Das klingt für mich so, als wäre die Korrelation Klangverarbeitung - Persönlichkeitsbildung irgendwie schon etabliert.]

Wolfgang: Diese Frage kommt zu früh. Zunächst muss geklärt werden, OB ein Zusammenhang besteht. Eine meiner Beobachtungen weist allerdings in diese Richtung. Einige Teilnehmer meiner Workshops, die anschließend mit Obertongesang weitermachen, unternehmen etwa nach einem Jahr stärkere Veränderungen ihres Lebens, beispielsweise berufliche Neuausrichtung, Start lange geträumter Projekte, große Reisen, Intensivierung von Partnerschaften und Ähnliches. Das könnte vielerlei Ursachen haben. Eine Erklärung mittels veränderter Wahrnehmungsverarbeitung im Gehirn wäre da sehr plausibel. So kam ich auf diese These.

tpk: In esoterischen Kreisen ordnet man die Vokale den unteren Chakren und die Obertöne dem höchsten Chakra zu, welches in Verbindung mit der Auflösung von Dualität und Einheit in Verbindung gebracht wird. Kannst mit solchen Konzepten etwas anfangen?

Wofgang: Dieses Konzept mit Obertönen ist mir neu. Ich habe davon gelesen, dass den Chakren von unten nach oben die Vokale U bis I zugeordnet werden. Allerdings fand ich keine Quellenangaben. Ich habe ausschließlich in jüngerer esoterischer Literatur des westlichen Kulturkreises davon gelesen, ohne allerdings eingehend recherschiert zu haben. Da meines Wissens die Chakren ein aussereuropäisches Konzept darstellen, wäre ich an Quellen, die sie am Entstehungsort mit Obertönen in Verbindung bringen, sehr interessiert. Ich selber arbeite nicht mit diesen Konzepten.

... das Interview wird fortgesetzt
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