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Anne Tusche über Spirituelle Disziplin
Interview von Birgit Kratz
Ich habe mir unter spiritueller Disziplin früher was Anstrengendes vorgestellt, etwas irgendwie Leidhaftes. Als sich dann meine Lieder komponierten und sich die Texte einfanden und ich in Meditation gezogen wurde, wurde mir erst am "Ende" des Prozesses bewusst, dass dies Disziplin gewesen ist.
                  
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Birgit: Jetzt möchte ich noch einmal auf Deinen Selbst-Bewusstwerdungs-Prozess zurückkommen und die Art, wie er passiert ist. Du schriebst im Interview "Lieder aus der Quelle des Seins":

Ich war ganz dankbar, arbeitslos zu sein, zog mich, wann immer es ging, zurück mit meiner Gitarre und sang das Mantra OM purnam über vier Monate in jeder freien Minute. Das Wort Disziplin bekommt hier eine ganz neue Wendung :-) .

Wie verstehst Du das Wort spirituelle Disziplin denn jetzt, nachdem es die ganz neue Wendung bekommen hat?

Anne Tusche: Unter Disziplin im Spirituellen versteht man im Allgemeinen, dass man regelmäßig irgendeine bestimmte Übung macht, ob man nun Lust dazu hat oder nicht. Das tut man wohl in der Hoffnung, durch den sich selbst auferlegten Zwang zu spirituellen Erfahrungen zu gelangen, die so nachhaltig wirken, dass sich die Lust darauf von selbst ergibt.

Es sind ja die spirituellen Erfahrungen, die schließlich dazu führen, dass man von selbst das Bedürfnis, die Lust verspürt, spirituelle Übungen zu machen. Irgendwann dreht sich das Ganze sogar soweit um, wenn dieses Gefühl unstillbarer Sehnsucht entstanden ist, dass man praktisch gerufen wird, man fühlt sich gezwungen zu irgendwelchen spirituellen Übungen. D. h. nicht mehr man selbst zwingt sich, sondern man wird gezwungen.

Naja, und wenn man zu diesen spirituellen Übungen gerufen wird, gezwungen wird, das ist die schönste, die leichteste Art von Disziplin mit der stärksten Wirkung, da verpufft einfach jeder Widerstand. Meine Erfahrung mit Mantren und Liedern ist dieser Art. Aufgrund dieser Sehnsucht kamen sie zu mir, sie fanden mich, sie zwangen mich, sie zogen mich in ihre Essenz.

Vielleicht mag es für wenige ja richtig sein, aber aus meiner Beobachtung hat es wenig Wert, sich ohne Bedürfnis, ohne Lust, ohne Sehnsucht so zu schinden in der Hoffnung auf Erwachen. Wenn da keine Sehnsucht ist und keine Sehnsucht nach dem Göttlichen entsteht, dann sollte man seine Motive nochmal genau hinterfragen, wozu man überhaupt diese Vorstellung von Erwachen hat, was man denn dadurch erhofft. So mancher könnte dann erkennen, dass er durch seine Disziplin von sich selbst ablenkt statt zu sich finden zu wollen.

Wenn ich von meiner eigenen Erfahrung ausgehe, könnte ich es auch so formulieren:
Ich hatte mir unter Meditation was Bestimmtes vorgestellt, nämlich still sitzen und keinen Gedanken mehr haben. Und auch hier: Erst am "Ende" des Prozesses, als ich feststellte, es geht gar nicht darum, keine Gedanken mehr zu haben (was mir nicht möglich war und womit der Versuch, diszipliniert zu meditieren, zum Misserfolg führte) konnte ich wahrnehmen, dass die Aufmerksamkeit etwas ist, das sich von Gedanken trennen lässt. Gedanken sind da, immer - doch die Aufmerksamkeit hält an, die Aufmerksamkeit folgt den Gedanken nicht mehr. Die Gedanken werden unscharf belassen, es wird nicht zugelassen, dass sie sich als klares Bild oder Wort im Geist manifestieren.

So war zu erkennen, dass diese Vorstellungen über Meditation das, was Meditation ist, verhinderten. Und erkennbar war, dass der Prozess seine eigene Methode fand und diese zur Meditation führte. Diese Tatsache befand sich jenseits aller meiner Vorstellungen. Erst am "Ende" war mir klar geworden, dass ich 10 Jahre lang intensivst diszipliniert meditiert hatte, ohne es zu bemerken :-)

Birgit: Was kannst Du Leuten empfehlen, die sich eigentlich auch so hoffnungslos spirituell undiszipliniert fühlen, wie Du einst? Ich meine solche ehrlichen Gott-Sucher, die sich irgendwie an kein "Erleuchtungs-Schema" anpassen können/wollen: keine Lust zum stundenlangen Meditieren haben, nicht den richtigen Guru finden können oder eine Abneigung gegen Gurus empfinden, das Rauchen nicht lassen können, mit spirituellen Gruppierungen nichts zu tun haben wollen... wohl aber den tiefen Wunsch nach Selbsterkenntnis in sich tragen?

Anne Tusche: Es ist eine super feine Gradwanderung. Man muss genau lernen zu hören und zu unterscheiden. Entsteht ein Unlust- oder Lustgefühl aus seinen Identifikationen oder ist es die innerste göttliche Weisung? Wo ist also das Motiv, wo der Grund für Unlust oder Lust? Wie fühlt sich der Unterschied an, wenn Bedürfnis zu spiritueller Übung aus Identifikation entsteht oder wenn es aus diesem innersten göttlichen Ruf erfolgt?

Also zum Beispiel: Gehe ich generell nicht zu Gurus, weil ich mir vielleicht nichts sagen lassen kann, weil ich's besser weiß? Hab ich vielleicht Angst vor Gruppen? Oder gehe ich da nicht hin, weil der Zugang zum inneren Guru bereits da ist, ich mich geführt fühle und ein äußerer Guru einfach gar nicht benötigt wird? Hier ergibt es sich einfach gar nicht, es ist gar kein Interesse da für äußere Gurus. Aber es ist auch keine Ablehnung da. Es ist neutral. Wenn man so richtige Abneigung fühlt, kann man ziemlich sicher sein, dass sich dahinter ein Thema verbirgt und etwas noch nicht verstanden ist. Liegt das Gegenteil vor - maßlose Bewunderung - dann ist es auch nicht verstanden.

Oder wenn man sich z. B. jeden Tag zum Meditieren zwingt, ohne dass irgendwas geschieht außer Widerstand zu fühlen. Dann kann man sich fragen, was veranlasst dazu, sich so zu quälen, oder ist es vielleicht nicht die passende Art? Hat man vielleicht eine Vorstellung von Meditation? Wenn man sich gut hören kann, fühlt man, wo es weitergeht, welche Methode die beste für einen ist usw.

Oder meint man, die innerste göttliche Stimme zu hören? Ja, wirklich? Ist sie es wirklich? Die Psychiatrien sind voll von Menschen, denen diese scheinbar innerste Stimme zum Verhängnis wird. Man muss also wirklich sehr leise, sehr aufrichtig werden, um genau unterscheiden zu können.

Dies zu fühlen, da ist der Weg ganz, ganz schmal. Den Unterschied lernt man eigentlich nur kennen, wenn man sich schonungslos kennen lernen will, wenn man sich nicht mehr davor fürchtet, was man in sich an Gründen, Hintergründen und Motiven entdecken könnte. Die Gründe dafür, sich nicht gut hören zu können, liegen in der Angst vor sich selbst. Die Angst vor sich selbst entsteht oft durch gesellschaftliche Konditionierung, durch das Denken, das ist gut, das ist schlecht.

Naja und das Rauchen.... ob man nun raucht, Zwiebeln, Knoblauch und Fleisch isst, jeden Tag Sex betreibt, Erwachen kann dadurch nicht verhindert werden genauso wie es durch den Verzicht darauf nicht beschleunigt wird. Wenn dieser Verzicht nicht zu innerer Erkenntnis führt, dass in Wirklichkeit auf Identifikation verzichtet werden muss, ist er umsonst.

Und insofern, der tiefste Wunsch nach Selbsterkenntnis bringt auch den Weg und alle Methoden zutage, ganz von selbst. Tut er das nicht, ist der Wunsch wohl eher ein Konzept und in Wahrheit sind noch zu viele Wünsche nach der Welt da.
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