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Yoga und Atemtypen - das Seminar zum Buch mit Anna Trökes und Margarete Seyd in Paderborn
von Birgit Kratz Warum fällt es mir bei dem einen Yoga-Lehrer leicht, die Anweisungen zu befolgen, während ich den anderen nicht richtig zu verstehen scheine? Warum geschieht es manchmal, dass ich mich durch eine Art, eine Asana zu entwickeln, völlig überfordert und verunsichert fühle, während mich eine andere Art die selbe Asana zentriert und klar erfahren lässt? Anna Trökes und Margarete Seyd führen dieses Phänomen in dem für mich aufschlussreichen Buch "Yoga und Atemtypen" auf unsere durch den Zeitpunkt der Geburt gegebene Art zu atmen zurück. Für mich sprachen schon alleine die Abbildungen im Buch eine eindeutige Sprache. Nun sollte sich mir mit dem "Seminar zum Buch", das beide Autorinnen in Paderborn gemeinsam leiten würden, eine hervorragende Gelegenheit bieten, die Theorie in der Praxis zu erfahren und deren Wahrheitsgehalt am eigenen Leibe überprüfen zu können. Auf meiner Reise nach Paderborn schaute ich aus dem Zugfenster in die von Nebeln durchzogene, aber noch nicht wirklich herbstlich anmutende Landschaft, die in diesem schönen goldigen Licht lag. 'Das Wochenende wirst Du größtenteils im Haus verbringen', ging es mir durch den Kopf. 'Na - mal sehen'. Im Hotel angekommen, lud mich in dem Saal, der sich für ein Wochenende in einem Yoga-Raum verwandeln würde, ein Platz ganz vorne, gleich vor den Matten der Kursleiterinnen, ein. Ich musste schmunzeln, denn offensichtlich hatte ich keine andere Wahl.
Der erste Tag brachte den meisten der SeminarteilnehmerInnen eine Klärung ihres Atem-Types. Aber nicht bei allen war die Typzuordnung einfach, denn es gibt Menschen, die haben natürlicherweise keine klare Ausprägung. Für diese YogaschülerInnen dürfte das Wochenende eine ziemliche Herausforderung gewesen sein. Auffällig am ganzen Seminar war, dass Anna und Margarete sich Zeit ließen, möglichst viele Teilnehmerinnen ihre inneren Erfahrungen schildern zu lassen. Auf diese Weise wurde deutlich, dass z.B. die "lunare Ansage" den einen Schüler die Asana als anstrengend und de-zentrierend empfinden lässt, während sich der andere an der erfahrenen Kraft und Dynamik erfreut. Die "solare Ansage" wiederum kann den einen Praktizierenden zu einer ungeahnten Leichtigkeit mit gleichzeitiger tiefer Zentrierung führen, während der andere sich in einer kraftlosen Wabbeligkeit zu verlieren meint. Und dabei schienen einige Praktizierende die Ruhe und innere Zentriertheit, die ihnen die Yoga-Stellung brachte, zu bevorzugen, während die anderen eher für ein Gefühl von erfahrener Stärke und Dynamik dankbar waren. Die gleiche Asana - verschiedene Menschen - viele Universen! Und das bedeutet dann ja auch, dass die Individualität jedes Übenden sich letztendlich auch in seinem einzigartigen Zugang zu den Yoga-Stellungen spiegeln muss. Eine enorme Herausforderung besonders für Yogalehrer!
Der zweite Tag des Seminars widmete sich der dem eigenen Atemtyp entsprechenden Yogapraxis. Nun ging es nicht mehr um grundsätzliches Experimentieren und Erfahren von Unterschieden, sondern um eine Vertiefung der spezifischen Erfahrung, die sich einstellt, wenn wir im Einklag mit der eigenen Konstitution üben. Ich hatte den Eindruck, dass ich nun die Sensibilität für das, worauf es bei mir ankommt, schulen konnte und sollte. Und: Es stellten sich immer wieder gravierende Aha-Effekte ein. Ich gehöre zu den Menschen, bei denen der Atemtyp "sonnenklar" ist, denn ich bin zur Sommersonnenwende geboren. Ich saß genau richtig vor Margarete Seyd und nahm ihre kleinen Tipps, die sie uns "Solaren" zwischendurch immer mal wieder gab, äußerst dankbar an, denn sie erlaubten mir, Experimente anzustellen, auf die ich alleine nicht gekommen wäre bzw. die ich nie gewagt hätte, die aber - zu meinem großen Erstaunen - mein Wohlgefühl in den Asanas noch steigerten. Die gleiche Freude und Erleichterung, manchmal sogar Entzücken konnte ich auch den Erfahrungsberichten anderer SeminarteilnehmerInnen entnehmen, denen Anna den Stups gab, ihrer Atemdynamik entsprechend doch mal "so richtig lunar" an die Asanas ranzugehen. Ein dankbares Aufatmen: "Endlich! Ja, so fühlt es sich gut und richtig für mich an. Das gibt mir die Kraft und Dynamik, die ich manchmal vermisst habe."
Mein Fazit: Es hat sich für mich auf alle Fälle gelohnt, die beiden sonnig-warmen Herbsttage im Yogaraum auf einer Matte zu verbringen! Dieses Seminar verdeutlichte mir einmal mehr, wie essenziell wichtig es ist, sich seiner eigenen Natur gemäß zu bewegen. Es gibt kein Rezept, das für alle gilt und das blind angewendet werden kann. Im Gegenteil, was von dem einen als Wohltat empfunden wird, kann dem anderen Schaden zufügen. Es bleibt uns also nichts übrig, als in uns selbst hineinzuspüren, um erkennen zu können, was in diesem Moment gut und richtig für uns ist. Manchmal müssen wir uns von Unpassendem trennen, manchmal müssen wir völliges Neuland betreten. Das eine wie das andere erweist sich als Abenteuer. Das einfache Nachahmen weicht also der Notwendigkeit, im Üben wach zu sein und die Verantwortung für unsere Art, die Asanas zu praktizieren, selbst zu übernehmen. Auf diesem Weg wird Yoga zu einer Entdeckungsreise in uns selbst hinein und führt uns in unsere Mitte - und von da aus zu Authentizität und wahrem Selbstausdruck. Nun ist das Seminar in dieser schönen Stadt Paderborn schon vorbei. Aber eigentlich war es erst der Anfang. Ein Same wurde gelegt, der nun wachsen darf. Damit wir am Üben dranbleiben können und unsere Erfahrungen vertiefen, erhielt jeder von uns speziell vorbereitetes Material, in welchem wir unsere Erfahrungen schriftlich festhalten können. Und ich merke jetzt schon, dass ich einige ganz alltägliche Haltungen oder Bewegungsfolgen, wie Sitzen, Dinge (auf)heben oder Zähneputzen, anders organisiere - einfacher und weniger belastend für meinen "solaren" Rücken, der nun so sein darf, wie er ist! Ich kann vor allem die gewachsene Sicherheit im Umgang mit meinem Körper wertschätzen, die sich nun dank der klaren und überzeugenden Körper-Erfahrungen auf dem Seminar eingestellt hat.
... und das Buch zum Seminar:
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